In Space we are punks

In Space we are punks ist eine Geschichte von Jazznrhythm, der fern von hier ein Blog betreibt. Es wirkt unvollendet, aber könnte eine nette Story sein. Ich sollte hier darauf aufmerksam machen, weil es keinen Platz für bessere Werbung gibt. Ich bin bestechlich, ich mache das. Immer und immer wieder. Könnt ihr also lesen, dürft ihr auch zerreissen, in den digitalen Mülleimer werfen, oder aber weiter empfehlen. Auf jeden Fall: Macht etwas daraus.

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Leave no trace!

Die Inhalte meines Facebook-Accounts sind gelöscht. Das war mühselig. Aber notwendig. Twitter ist ebenfalls geleert.

Ich will nicht viele Worte darüber verlieren. Wer auf Facebook oder Twitter ist,  weiß warum es Sinn oder Unsinn ist, dort zu sein. Big Data ist schließlich das Thema. Alles nicht neu.

So richtig Angst macht mir Big Data nicht. Ob man mehr oder weniger über mich erfährt, ob ich berechenbar oder authentisch bin, sollte mir keine Angst machen, solange ich nett, fair und angenehm bin, und mit dem Bild, das ich öffentlich abliefere, klar komme.

Je höher mein privater Stresspegel wurde, umso stärker, zielsicherer reagierte ich in den sozialen Medien. Ich achtete tunlichst darauf einen gewissen Tiefpunkt nicht zu unterschreiten, aber ich bemerkte Sarkasmus, Bissigkeit und Angriffsflächen, die mir ohne diese Foren-,Gruppen- und Klagemauer-Möglichkeiten nicht aufgefallen wären.

Facebook, Twitter, Google+ machen mich nicht zum besseren Menschen. Die Inhalte, denen ich folgte, bargen Wiederholungen in sich, die mich zu nerven begannen. Nutzer, die immer wieder dasselbe erzählten, als würden sie ein Mantra vor sich hertragen, liessen mich merklich allergisch, genervt und gereizt agieren. Ich merkte, ich  war nicht in der Lage, diese Medien so zu beherrschen wie ich mir das wünschte. Diese Medien bergen ein zu viel von allem, als das ich in der Lage bin, zu filtern oder Ruhe zu finden.

Ich wollte nichts zurücklassen. Ich wollte Facebook, Twitter, Google+ kein Bild, keinen Ton, keine Notiz, keine zufälligen und keine absichtlichen Daten schenken. Kein Gefällt mir, keine Meinungsäußerung, kein Nutzerverhalten, nichts, was mir irgendwann wieder begegnet. Ich wollte die Einstellungen einmal so hart machen, das Facebook keine Geheimnisse mehr vor mir hat. Es hat mich 4 Tage gekostet, alle Inhalte von Oktober 2014 – Dezember 2016 zu löschen und zu verbergen. Ähnliches bei Twitter.  Auch hier war es nur mit Tools möglich alle Tweets zu löschen, und per Hand alle Likes wieder zurück zu nehmen. Wirklich Arbeit.

Facebook und Twitter, aber auch Google+ haben verschiedene Dinge gemacht, die mir unheimlich waren, und mich verwirrten. Bei all diesen Programmen habe ich es nicht gestattet auf meine Kontaktdaten zu zu greifen. Trotzdem wurden mir Personen als Freunde angeboten, die aus meinem privaten oder beruflichen Umfeld stammen, und eigentlich nicht mit dem Account, den ich nutzte in Verbindung stehen konnten. Dieses konnte nur  über Bewegungsdaten und WLAN-Ortung möglich sein. Also Daten, die ich eher unbewußt mit Facebook, Twitter oder Google+ teilte. Die Einschläge kamen immer näher, und waren sehr genau, erstaunlich konkret und , bei allem Respekt, deuteten auf eine verflixte gute Profileinschätzung hin.

Es wurde daher mehr und mehr zu einem Spiel, das ich nicht gewinnen kann. Wer sich in Facebook etc. begibt, der muss das Prinzip der Vernetzung annehmen. Wer damit ein ein Problem hat, der muss sich von diesem Netzwerk einfach wieder trennen. Und Ruhe finden. Ich will keine Spuren hinterlassen, die ich nicht beseitigen kann. Leave no trace! war eine Parole, die noch aus der Zeit stammt, als ich mich stark mit den Appalachen in Amerika und dem dazugehörigen Trail beschäftigt habe. Hinterlasse keine Spuren. Bewege dich in der Natur, mit der Natur und halte deine Spuren klein. Vermeide sie soweit möglich. Leave no trace.

Nicht mit Gewalt, nur mit Gefühl

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Gestern war der Wein wichtiger. Ein Merlot,und ich blieb dankbar unter der Wortzahl. Es geht also auch ganz lässig. Die Skizzen sind wichtiger als das komplette Bild. Wer eine Szene in dürren Worten abfasst, darf sich auch mal zurücklehnen. Es setzt sich sowieso durch, dass es an normalen Tagen selten mehr als 2000 Worte werden. Das ist nett zu erfahren, sagt aber nichts über deren Qualität aus. Da bin ich noch nicht so zufrieden, merke aber, dass ich allgemein fern vom PC, auf dem Handy oder auf dem Papier, die Story dichter voran bringe.

Ansonsten, mit der Zunahme der Handlung, breitet sich die Geschichte aus, bekommt Farbe und eine Handvoll Protagonisten mehr. Die ganze Story konzentriert sich auf den Vater, und beginnt seine Sichtweise großzügig zu beleuchten. Er rückt damit verhältnismäßig stark in den Vordergrund. Die Familie nimmt aktuell nicht teil an seinen Erlebnissen, aber genau das wird sich zum Problem entwickeln.

 

Einen kurzer Einblick in die Playlist. Diese Alben laufen meistens im Hintergrund:

David Lanz „Norwegian Rain“

Charles Lloyd & the Marvels „I long to see you“

Slowly Rolling Camera „All things“

Nouvelle Vague „I could be happy“

Hope Sandoval & The Warm Inventions  „Until the hunter“

Kungs „Layers“

Fritz Kalkbrenner „Grand depart“

Wieso? Weshalb? Warum?

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Zwei Dinge stelle ich fest:

  1. Will ich die Handlung voran bringen, dann muss ich das Smartphone nutzen. Dort landen die Texte in Evernote, und werden daheim eingefügt. Das Smartphone verwende ich im Leerlauf. Im Cafe, in der Straßenbahn, unterwegs, wenn ich einfach gebunden bin.  Diese Art des Schreibens gleicht einem Skizzieren. Ist aber meisten sehr handlungsintensiv. Die Grenzen der Eingabe und die Kürze der Zeit führen dazu, dass die Szenen, die damit kreiert werden, die komplette Handlung stärker vorantreiben.
  2. Daheim werden die Skizzen am Computer verfeinert, ausgemalt, angepasst, in Ton- und Stil auf ein Level gebracht und eingefügt. Da Evernote eine Cloudlösung ist, steht mir die Oberfläche auf verschiedenen Geräten zur Verfügung. Ich kann somit die Geschichte überall weiter bearbeiten. Was allerdings am Computer, während der Arbeit in Scrivener, auffällt, ist, dass ich – auch bedingt durch den Blick auf den Wortzähler – einiges an Info und Handlungsarmut einfliessen lasse, dass man bestenfalls noch als inneren Monolog gelten lassen könnte. Die betrachtenden Rückblicke häufen sich. Doch dazu später mehr. Ich vermute, dass ich im Nachhinein die Geschichte dramatisch kürzen muss, und die Konflikte eskalieren lassen werde.

Worum geht es? Ich hätte mich früher geweigert, ein Projekt, dass noch im Entstehen ist, zu schildern.  Aber ich möchte es gerne einmal versuchen.  Grundsätzlich geht es um eine Familie, die aus einem Vater (Peter) und einer Mutter (Julia), sowie 4 Töchtern (Melanie, Michaela, Marie, Manuela) und einem Sohn (Markus) besteht.

Diese Familie befindet sich in einer ähnlichen Situation wie viele andere Familien, die wir erleben, oder in der wir uns befinden. Sie muss sich mit der Tatsache zurechtfinden, dass Information kein Privileg ist, sondern wir umgeben sind von Informationen, die uns gefährlich, angenehm oder verführerisch sind. Sie muss damit umgehen lernen, dass Privatheit immer mehr durch eine größere oder kleine Öffentlichkeit gefährdet oder abgelöst wird.  Sie merken, dass ihnen Mittel und Wege angeboten werden, den Dingen, die sie ärgern, oder dem Leben allgemein zu entfliehen. Es geht dabei um alles Digitale, sexuelle Verwirrungen, Drogen, aber auch darum, dass Erwachsenwerden nichts ist, das mit dem Alter zu tun hat. Und das Fehler, die wir gemacht haben, uns nicht davor schützen sie zu wiederholen. Die beiden Eltern irren sich, überdenken ihr Konzept, fliehen voreinander, und ahnen, das es noch mehr gibt, außen und zwischen ihnen. Die Kinder sind manchmal schon erwachsener, als man oder ihre Eltern vermutet. Das kann positiv sein, aber auch erschreckend negativ. Sie probieren Dinge aus, die sie nicht ausprobieren sollten. Sie bewegen Steine, unter die sie nicht schauen sollten. Und haben dennoch ab und zu ein größeres Wissen und Kompetenz um für diese Zeit gewappnet zu sein.

Die Anzahl der tragenden Personen, die mitwirken und die Konflikte und Plots gestalten, reicht von Arbeitskollegen, Freunden, Liebhabern, zur Familie beider Elternteile, bis zu Fremden, die ihnen nur kurz begegnen, aber dennoch lange genug, um etwas zu drehen. Im Augenblick sind 12 Personen als tragend definiert.

Ich schreibe diese Geschichte nicht linear. Ich folge einem Gerüst, das momentan grob steht, vier Kapitel vorsieht, und im Augenblick ca. 20 in Stichworten aufgebaute Szenen hat, die sich über den ganzen Zeitraum, in dem das Buch spielt, aufgebaut haben. Der Zeitraum der Handlung wird ungefähr ein Jahr oder ein bißchen mehr sein. Die handelnden Orte sind im Groben Deutschland und stellenweise Großstädte in der USA, die aber immer nur auf Geschäftsreisen von Peter besucht werden.

Ich werde keine Minute recherchieren. Alles was ich erzähle, ist abgedeckt durch Wissen, Erfahrung und Erlebtes. Es wird also nichts beschrieben, über dessen Ablauf ich mir nicht hundertprozentig sicher bin. Ähnlichkeiten mit meinem Leben sind dennoch rein zufällig. Es ist nicht biografisch, schöpft aber aus meiner Biografie, jedoch wird keine Szene, die ich beschreibe, in meinem Leben zu finden sein. Sondern mein Leben, dass meiner Freunde, Arbeitskollegen und Mitmenschen dient nur als Knete, um etwas vollkommen neues zu formen.

Während ich die einzelnen Szenen ausbauen, in den Handlungsstrang eingliedere, ergeben sich neue Szenen, die geschrieben werden müssen,um das Netz zu spannen. Durch das grobe Konstrukt bin ich in der Lage an jeder beliebigen Stelle die Geschichte fortzuschreiben, und so möglichen Schreibblockaden zu entgehen. Liegt mir eine Szene nicht, so bleibt sie liegen, bis ich sie lösen kann und sie aufgrund dem folgenden einen Sinn macht.

Meine Protagonisten entwickeln kein Eigenleben, aber vermehrt an Tiefe. Sie werden die Handlung nicht umwerfen, noch ihre Rollen untereinander tauschen. Dennoch gewinnt ihr Charakter im Laufe des Buches, während ich sie beschreibe, Facetten, die ich vielleicht nicht richtig bedacht habe. Aber eine eigenständige Formung der Handlung ist ihnen nicht erlaubt. Sie haben dem Gerüst zu folgen. Bis zu ihrem Glück. Oder ihrem Verderben. Was auch immer ich mir für den Schluss einfallen liess.  Ich habe zwei Netzprojekte, die momentan vor sich hindümpeln. Ein Science Fiction Roman und eine Superheldengeschichte, die ungeplant aus sich selbst entwickelt werden. Dort gibt es keinen Plot, nur eine Idee, die aber kein Ende finden mag. Hier darf das jedoch nicht sein. Die Familiengeschichte folgt einem starren Konzept, das sich nur festigen , aber nicht abschaffen darf.

Aktueller Stand: 8708 Wörter (NaNoWriMo-Zählung: 4518)

November, November

 

Dieses Blog diente bisher dazu, angehenden Autoren Mut zu machen. Im November wird sich das nun ein klein wenig wandeln. Ich werde dieses Blog als eine Art Produktionstagebuch nutzen, und kurze Einblicke gewähren, an welchen Stellen ich scheitere. Und wo ich Erfolge verzeichne. Es wird außerdem einen Ausblick geben, wie und wo ich an Wettbewerben teilnehme, was ich gerade mache, ob und wie ich voran komme.

Im Rahmen des National Novel Writing Month werde ich versuchen, die Vorgaben zu erfüllen und eine längere Geschichte, die Minimum 50.000 Wörter enthält zu schreiben.  Es ist das erste Mal, dass ich daran teilnehme. Mein Verhältnis zu dieser Aktion ist genauso kritisch wie neugierig. Ich bin mir sicher,  das Ziel zu erreichen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es literarisch tauglich ist oder meinen eigenen Anforderungen stand hält. Der Blick auf den Wortzähler irritiert mich. Das bin ich nicht gewohnt.

Sollte Interesse an dem Stoff bestehen, den ich aktuell forme, knete und bearbeite, dann kann ich gerne ein paar Arbeitsproben hier rein stellen. Kein Ding. Es werde nicht die endgültigen Fassungen sein, und auch nur sehr kurze Szenen, doch ein Blick über die Schulter ist natürlich möglich.

Ansonsten warte ich zudem auf das Ergebnis einiger Wettbewerbe.

Dazu gehört lit.love . Hier bin ich unter den ausgewählten Autoren, die in der Endauswahl sind. Entscheiden wird es sich am 4.November. Eine kostenlose Anthologie mit den vier Autoren wird kurz darauf erscheinen.

Der Münchner Kurzgeschichtenwettbewerb mit dem Thema „Kaputt“ befindet sich in der Endphase. Näheres weiß ich wahrscheinlich in wenigen Tagen.

Auch der Schreibwettbewerb auf Blog Q5 ist wohl in der Endphase und hat sich zurückgemeldet, das nun die Juroren am Thema sind.

Doch es liegen auch Ergebnisse vor:

Bei cobi.at ging es um Türanhänger zum Thema Unterwegs. Sehr begrenzte Wortzahl. „Leider leider verloren“ hieß der Betreff des eintreffenden Mails.

(Falls Interesse besteht, kann ich den eingereichten Text gerne irgendwo öffentlich ablegen)

Bei dem gemeinsamen Wettbewerb von readfy und BOD  trägt es mich gerade grandios aus der Kurve.  Die eingereichte Geschichte wird nicht funktionieren, der Ausgang ist absehbar.

Bis die Tage, ich halte euch auf dem Laufenden.

Gruß

Jan

Serien sind sowas von 2010! Aber echt..

Das Gesetz der Serie ist der Fluch der Serie. Irgendetwas muss in den letzten Jahren passiert sein. Und es ist nicht wirklich gut. Früher nannte man es Fortsetzung und es geschah, wenn das Marketing dachte, dass man noch nicht alles abgeschröpft hat. Oder der Autor der Meinung war, es gäbe noch etwas dazu zu sagen. Zu was auch immer.

Winnetou hatte drei Bände, und das war im Grunde schon genug. Abgeschaut hatte sich Karl May das bei den billigen Heftchenromanen, die er früher verschlang, und er lag damit auf einer Linie mit Arthur C. Doyle und Sir Rider Haggard. Eine Serie war nicht immer erstrebenswert, aber sie sicherte das Einkommen. Oftmals kam ein Regal voll gleichförmiger Buchrücken auch nur dadurch zustande, weil Bücher mit 2000 Seiten schlicht unhandlich sind. Marcel Proust weiß wovon ich rede. Er nickt.

Kürzlich erklärte ein Science Fiction Dealer in Hamburg in einem Spiegel Online Interview, dass früher die Leute noch lesen konnten. Da gab es noch Kurzgeschichten. Nicht nur Serien.

Da beginnt man nachzudenken. Kurzgeschichten. Das waren diese 20-Seiter, die ganz kompakt daher kamen und an deren Ende der Held sterben konnte. Was heute unglaublich klingt, angesichts der „Dr.Wagners dritter Fall“, „Kommissar Pompidus neuntes Rätsel“ und den „Fünf Schwerter der Blutrache. Schwert vier“-Werken, die jede Woche von Amazon unters Volk geschmissen werden.

Im Gegensatz zu den Entwicklungen, die einfach mal dazu führten, dass es – verflixt, noch mal – einen Band zwei oder Band drei gab (Die Fans! Die Fans!), werden heute Bücher schon als Serie konzipiert. Weil man denkt, ein Roman sei ein Online-Rollenspiel, in dem der Protagonist drei Drachen erledigt, fünf Jungfrauen beglückt und zwei Schlösser verschleissen muss, bevor er einen Sohn zeugt, der schon mal als Cliffhanger für tausendeine Fortsetzung dienen kann.

Früher mal gab es kleine, fette Geschichten, mit stringenter Handlung  und der großen Kunst des Weglassens. Kurzgeschichten, ich komme wieder darauf zurück, dienten nicht als Lückenfüller und Werbeträger, sondern waren eine Kunstform, die sich gewaschen hatte. Mit Höhepunkten. Und Ängsten, dass am Schluss alles den Bach runtergeht, wie man es heutzutage erst in der sechsten Staffel von „Games of Thrones“ erlebt. Und das war die schlechteste, weil es all den Weg zu diesem Gemetzel schlicht nicht wert war. Erzählen ist auch eine Art der Unterhaltung, die ausreichen muss für die Zeit eines Lagerfeuers und mich nicht über einen Winter begleiten sollte. Soll heißen: Wo sind sie den hin, die Wortakrobaten, die es schafften, jemanden eine so nachhaltige Prosa auf kurzem Weg zu präsentieren, das man noch Jahre später daran dachte?

Die Serie ist der kuscheligste Quasseldampf, den man sich vorstellen kann. So schön es ist immer wieder alten Bekannten zu begegnen, so viel kann man die Details einfach mal über Bord werfen, um einen nackten, sportlichen Körper hervor zu schnitzen, der es einfach wagt, mit gradlinigen Sätzen innerhalb kurzer Zeit gefangen zu nehmen.

Das Ding darf auch  mal dadurch spannend sein, dass man merkt: Oha, nur noch eine Handvoll Seiten. Geht alles gut aus? Kommt der Held, die Heldin da raus? Wird sie es überleben?

Man stelle sich vor: Moby Dick Teil 1-3, Robinson Crusoes Jahre auf der Insel von 1- 12, Garp und wie er die Welt sah: Der junge Garp, der ältere Garp, Garp überhaupt. Das Drama um Romeo und Julia in fünf Bänden.

Undsoweiter.

Nicht falsch verstehen: Ich will nicht die Abschaffung der Serien, sondern ich will wieder in der Mehrzahl abgeschlossene Kurzgeschichten, Prosa, Erzählungen, Romane, die sich reduzieren auf das, was wichtig ist, straight voranschreiten, nicht im Hinterkopf haben, dass da noch was kommen muss, sondern das Wagnis eingehen, Figuren auch einfach mal zu verbrauchen auf 100 Seiten, etwas zu Ende zu erzählen und mir die Möglichkeit geben, mich auf etwas anderes zu konzentrieren. Auf etwas ganz anderes. Ohne, das ich mich quasi verpflichtet fühle noch den langweiligen Lebenslauf eines beißarmen Vampirs über die nächsten fünfzig Jahre zu verfolgen.

Wer jetzt sagt, dass ich das nicht muß, der war schon lange nicht mehr in eine Buchhandlung.

Man nehme ein Buch zur Hand.

Und lese den Titel, verliebe sich in das Cover, drehe es um und lese: „Gigolos weiteren amourösen Abenteuer in dem Schweizer Internat. Wie schon im ersten Band…“

Welcher erste Band? Wo ist der erste Band? Muss ich den jetzt lesen?

Ich lege das Buch zurück. Dabei sah es saftig und kraftvoll aus. Wie zum Teufel erschliesst sich eigentlich so ein Markt? Geht man davon aus, dass Leser zuerst Band zwei lesen, und dann Band eins suchen, oder ist es nicht eher so, dass man mit jedem Band ein paar Leser mehr verliert, bis keiner mehr zwischen die Buchdeckel schaut?

Ich würde mir wünschen, es gäbe wieder Anthologien. Nicht diese zusammengewürfelten Dinger, die qualitätsmäßig rauf und runtergehen, weil man glücklicherweise ein paar Autoren gefunden hat. Sondern Anthologien, die redigiert und ausgewählte Stories enthalten und mit dem Namen des Herausgebers protzen. Anthologien, die ähnlich clever zusammengestellt sind, wie DJs ihre monatlichen Mixscheiben zusammenwürfeln. Anthologien, die nur Entdeckungen enthalten, nur Perlen, die qualitätsmäßig so liebevoll und kernig sind, dass mir zwanzig Geschichten danach im Kopf rumspuken. Ich würde lieber drei geniale Kurzgeschichten lesen, als nochmal eine Serie anzufangen.

Ich habe einen harten Job, ich komme abends spät nach Hause. Ich haue mir unterwegs Fast Food (aber gutes, gibt es auch) rein und renne nach Bahnen und Zügen. Ich würde es lieben dazwischen immer mal wieder Geschichten zu lesen, die es schaffen in zwanzig Minuten Welten entstehen und vergehen zu lassen, ohne dass ich mich in die Landkarten von einem wahnsinnig bevölkerten All einlassen muss.

Vergesst die Serien. Nutzt die Romane. Schließt das Ding ab. Harmonisiert es . Macht es rund. Denkt kurz und knapp. Serien sind Zeugs für Leute, die sich nicht entscheiden wollen. Ernsthaft. Wer sortiert ist, haut das Ding raus, ohne 1000 Seiten dafür zu verbrauchen.